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Szenariotraining - Ein Stück weit näher an der Realität der Straße

Veröffentlicht von Combat Capacity am 30.11.2017

Wer schon einmal ein Selbstverteidigungsseminar besucht hat, wird es vielleicht kennen: Das Szenariotraining. Während diese Art des Trainings in früheren Jahren noch dem behördlichen Bereich (z.B. Polizei) oder dem Militär vorbehalten war, gibt es mittlerweile immer mehr Institutionen und Vereine, die diese Trainingsmethode auch im zivilen Sektor verwenden. Üblicherweise spielt hierbei ein mit einem Ganzkörper-Schutzanzug ausgestattetes Mitglied des Trainerteams in einem vorbereiteten Rollenspiel den "Aggressor", um den Teilnehmern mittels einer realitätsnahen Simulation die Auswirkungen einer gewalttätigen Konfrontation auf der Straße zu veranschaulichen. Voraussetzung sollte hierbei immer sein, dass die Teilnehmer durch das bereits absolvierte Training über grundlegende Fähigkeiten in den Bereichen Schlagtechnik und Körpermechanik verfügen, um ein Szenariotraining auch sinnvoll zur Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten nutzen zu können. Zielsetzung ist hierbei insbesondere herauszuarbeiten, inwieweit die von den Teilnehmern während des Schlag- bzw. Pratzentrainings erlernten Fähigkeiten auch unter dem Einfluss des Stresshormons Adrenalin noch funktionieren. An dieser Stelle ist nochmals deutlich darauf hinzuweisen, dass ein System, welches für sich in Anspruch nimmt, realitätsorientierte Selbstverteidigung anzubieten, stets auf grobmotorische Bewegungsmuster hinarbeiten sollte, welche auch unter erhöhtem Stress- und Adrenalineinfluss noch funktionieren.

Ein wichtiger Faktor eines jeden Szenariotrainings ist der Trainer/Instructor, welcher dem Teilnehmer zunächst einmal die Rahmenbedingungen erläutert und diese auf die vor ihm liegende Aufgabe vorbereitet. Des Weiteren muss der Trainer den Ablauf des Szenarios permanent überwachen, um einerseits die Trainingssicherheit gewährleisten und andererseits bei Problemen sofort eingreifen zu können. Nach Beendigung des Szenarios ist das Feedback von besonderer Bedeutung, wobei sich zu Analysezwecken Videoaufzeichnungen als sehr nützlich erwiesen haben, um auf diesem Wege die einzelnen Phasen Schritt für Schritt mit dem Teilnehmer besprechen zu können. Positives Feedback in Form von Lob ist hierbei ebenso wichtig wie die sachliche Analyse begangener Fehler und die Planung geeigneter Maßnahmen zur progressiven Verbesserung der Selbstverteidigungsfähigkeiten der Teilnehmer.

Von großer Bedeutung für den Erfolg eines Szenariotraininigs ist neben dem das Szenario überwachdenden Trainer auch die Person im Schutzanzug, welche den "Aggressor" repräsentiert. Hier ist zunächst einmal anzumerken, dass viele der bislang auf dem Markt angebotenen Schutzanzüge zwar durchaus annähernd realistische Schläge bzw. Tritte der sich gegen den "Aggressor" verteidigenden Teilnehmer zuließen, ein hundertprozentiger Schutz bei mit voller Kraft zum Kopf ausgeführter Schläge allerdings bislang nicht gewährleistet war. Gemäß vorliegender Informationen hat das FAST Defense Team von Bill Kipp mit dem " Gladiator Suit" zwischenzeitlich einen Schutzanzug entwickelt, welcher erstmals auch "100 Prozent-Schläge" zum Kopf zulässt. Ob sich die Anschaffung eines solchen nicht ganz billigen Schutzanzuges lohnt, muss jeder Verein für sich selbst entscheiden und hängt in hohem Maße von der Nutzungshäufigkeit und dem geplanten Einsatzgebiet ab. Dies vorausgeschickt sollte die Person im Schutzanzug dafür Sorge tragen, dem Probanden des Szenariotrainings eine realistische Rückmeldung während der Übungen zu vermitteln. Ein mit schwacher Körpermechanik ausgeführter Schlag, von welchem auch bei einer echten Auseinandersetzung keine hinreichende Schlagwirkung zu erwarten wäre, sollte vom Mann (oder der Frau) im Schutzanzug nicht durch "schauspielerische Leistung" in einen potentiellen Knockout verwandelt werden. Auf der anderen Seite sollte falsch verstandenes Ego nicht dazu führen, dass wirklich kräftige Schläge, die bei einer Person ohne Schutzausrüstung sicherlich deutliche Wirkung zeigen würden, in einem Anfall von "Supermannsyndrom" von der Person im Schutzanzug lediglich mit einem Schulterzucken quittiert werden. Wie man bereits an diesen Beispielen sieht, ist eine realistische Reaktion des Schutzanzugträgers für den das Szenario absolvierenden Kursteilnehmer umso wichtiger, da der auf diese Weise ermittelte Ist-Zustand die Grundlage der weiteren Trainingsmaßnahmen darstellt.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein Szenariotraining dem Teilnehmer zwar einerseits ein positives Erlebnis vermitteln und dessen Selbstbewusstsein stärken, ihm andererseits aber keine unrealistische Vorstellung suggerieren soll, welche bei einer späteren tatsächlichen Konfrontation auf der Straße zu einem bösen Erwachen führen könnte. Für die Entwicklung einer auch unter erschwerten Umständen noch wirksamen Selbstverteidigungsfähigkeit ist deshalb eine fortlaufende Rückmeldung durch den Trainer undbedingt notwendig, um gemeinsam mit dem Teilnehmer dessen Stärken ausbauen und vorhandene Schwächen eliminieren zu können. Zusammen mit der Vermittlung einer offensiven Mentalität ("Kampfgeist") sollte es auf diesem Wege möglich sein, den Trainierenden in die Lage zu versetzen, auch eine reale gewalttätige Konfrontation auf der Straße halbwegs unbeschadet zu überstehen.

Zuletzt geändert am: 30.11.2018 um 4:14 PM

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