Menu
KAMPFSPORT COMBAT CAPACITY
KONTAKT | IMPRESSUM | FAQ | DATENSCHUTZ

COMBAT CAPACITY
SPORT BLOG

Wissenschaft und Selbstverteidigung - Bedeutung des OODA-Loop und Hick´s Law

Veröffentlicht von Combat Capacity am 30.11.2015

Bereits seit mehreren Jahren nutzen Trainierende und Anbieter realitätsbasierter Selbstverteidigungssysteme wissenschaftliche Erkenntnisse und Konzepte, welche ursprünglich für den militärischen Bereich erforscht und entwickelt wurden. Eines dieser Strategiekonzepte beschreibt den sogenannten OODA-Loop, wobei wir uns zunächst einmal anschauen sollten, was es mit diesem Begriff auf sich hat:
 
Observe – beobachten
 
Orient – orientieren
 
Decide – entscheiden
 
Act- handeln
 
Ausgehend von einem gesunden Level an Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, so wie es in seriösen Selbstschutz-Konzepten gelehrt werden sollte, geht es in der Observe-Phase darum, seine Umgebung im Blick zu haben und eingehende Reize (Bilder, Geräusche usw.) über die Sinnesorgane (Augen, Ohren usw.) aufzunehmen. Man stelle sich hier beispielsweise einen abendlichen Spaziergang durch die Stadt vor, bei dem man an einer Seitengasse vorbeikommt und plötzlich lautes Gegröle betrunkener Jugendlicher hört und aus den Augenwinkeln wahrnimmt, dass diese Mülltonnen umschmeißen und leere Bierflaschen auf dem Boden zertrümmern. Aus diesen über die Sinnesorgane wahrgenommenen Beobachtungen würde man (höchstwahrscheinlich) schlussfolgern, dass es sich um eine aggressive Gruppe handelt, welcher man lieber aus dem Weg gehen möchte („Orient-Phase“). Sofern man ein braver Durchschnittsbürger und kein die Gewalt suchender Hooligan ist, würde man ausgehend von der geschilderten Szenerie vermutlich zu der Entscheidung gelangen, dass es in diesem Fall besser ist, die Seitengasse zu meiden und einen anderen Nachhauseweg zu wählen („Decide“), man läuft folglich weiter zur nächsten Straße ("Act“).
 
Dieser beispielhaft geschilderte Entscheidungsprozess ist gerade bei körperlichen Auseinandersetzungen von großer Bedeutung, da zumeist der Kämpfer gewinnt, der diesen Prozess schneller durchläuft. Habe ich anhand aufmerksamer Beobachtung („Observe“) eine potentielle Bedrohung erkannt, geht es im nächsten Schritt darum, die Gefahr genauer einzuschätzen, d.h. ich muss feststellen, wie und auf welche Weise ich angegriffen werde, ob der Gegner vielleicht ein Messer hat, ob er mit erhobenen Fäusten auf mich losstürmt, versucht, mich mit einem Tritt zu treffen usw. („Orient“). Aufbauend auf den von mir getroffenen Schlussfolgerungen muss ich nun entscheiden, wie ich mich gegen diesen Angriff zur Wehr setze („Decide“) und entsprechend handeln („Act“).
 
An dieser Stelle kommt nun das Hicksche Gesetz („Hick´s Law“) ins Spiel, welches im Jahr 1952 von dem Forscher William Edmund Hick formuliert wurde. Vereinfacht ausgedrückt besagt dieses Gesetz, dass die Reaktionszeit einer Person umso länger dauert, je mehr Auswahlmöglichkeiten dieser Person dargeboten werden. Ein sehr anschauliches Beispiel stellt die Situation am Parkplatz eines Einkaufszentrums dar: Ist nur noch ein einziger Parkplatz frei, wird man nicht lange überlegen müssen und fährt ohne zu zögern in die vorhandene Parklücke. Sind jedoch noch zehn Parkplätze unbesetzt, muss man zunächst einmal entscheiden, welche der dargebotenen Parkmöglichkeiten einem am meisten zusagt.
 
Dieses Beispiel vor Augen wird nunmehr deutlich, warum es bei realitätsbasierten Selbstverteidigungssystemen so wichtig ist, dem Trainierenden einige wenige aber dafür effektive Techniken bzw. Handlungskonzepte mitzugeben, welche auch in Hochstresssituationen auf der Straße noch funktionieren. Würde man dem Trainierenden für jeden möglichen Angriff (linke Gerade, rechte Gerade, linker Haken, rechter Haken, seitlicher Fußtritt, gerader Fußtritt, Schwinger usw.) eine gesonderte Abwehrtechnik beibringen, würde die Reaktion im Ernstfall viel zu lange dauern, da er zu viele Auswahlmöglichkeiten hätte und die Entscheidungsschleife bzw. den OODA-Loop viel zu langsam durchlaufen
würde. Einige wenige, grobmotorische und durch vielfaches Üben eingeschliffene Techniken sind hierbei der wesentlich effizientere Weg, wodurch der Angegriffene handlungsfähig bleibt und die gefürchtete Angststarre („Freeze“), so wie sie oftmals bei Opfern von Überfällen zu beobachten ist, vermieden wird.
 
Weitere Informationen zum OODA-Loop und zu Hick´s Law könnt ihr hier nachlesen:
 
http://de.wikipedia.org/wiki/OODA-Loop
 
http://www.tacticalresponse.com/d/node/226
 
http://de.wikipedia.org/wiki/Hicksches_Gesetz

 

Zuletzt geändert am: 30.11.2018 um 4:03 PM

Zurück zur Übersicht