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Psychotricks und Einschüchterung durch Kriminelle und Straßenschläger - Erklärungen und mögliche Gegenmaßnahmen im Rahmen eines funktionalen Selbstschutz-Konzeptes.

Veröffentlicht von Combat Capacity am 30.11.2017

Liest man Polizeiberichte in der Zeitung oder befragt Personen, welche schon einmal Opfer einer Gewalttat geworden sind, so lässt sich im Hinblick auf die Täter oftmals ein sehr ähnliches Verhaltensmuster erkennen. Das spätere Opfer wird zunächst unter einem Vorwand angesprochen ("Hast Du mal eine Zigarette") und vom Täter im weiteren Gesprächsverlauf plötzlich und ohne Vorwarnung angegriffen. Durch den bereits während des Gesprächs an den Tag gelegten äußerst aggressiven Tonfall wird das Opfer sofort in eine defensive Position gebracht und massiv eingeschüchtert, so dass der Aggressor bereits zu diesem Zeitpunkt davon ausgehen kann, dass sein späterer Angriff erfolgreich sein wird. Der Täter macht sich hierbei den Umstand zunutze, dass die angegriffene Person nicht mit den in einer Stresssituation auftretenden Nebenwirkungen des Stresshormons Adrenalin umgehen kann und in die gefürchtete "Angststarre" verfällt. Da das Opfer nun nicht mehr in der Lage ist, sich effektiv zur Wehr zu setzen, hat der Schläger den Kampf durch seine psychologischen Tricks bereits vor dem eigentlichen körperlichen Übergriff für sich entschieden. Bevor wir uns möglichen Gegenmaßnahmen zuwenden, sehen wir uns zunächst einmal an, welche Arten von Einschüchterung es gibt.

Grundsätzlich lässt sich Einschüchterung in die Kategorien optisch/visuell, verbal und physisch unterteilen. Optische Einschüchterung kann zum Beispiel mittels eines bestimmten Kleidungsstils erfolgen, durch welchen die Träger besonders "gefährlich" oder "hart" erscheinen wollen. Das Outfit eines Skinheads fällt ebenso in diese Kategorie wie die in den letzten Jahren bei vielen Jugendlichen immer stärker aufkommende "Gangstermode". Dick aufgepumpte Muskeln, Tätowierungen und gefährlich aussehende Narben sind ebenfalls Merkmale, welche signalisieren sollen: "Leg Dich bloß nicht mit mir an!". Bei der verbalen Einschüchterung geht es dagegen darum, das potentielle Opfer durch massive Drohungen ("Ich schlag Dich tot!") in Panik zu versetzen, während bei der physischen Einschüchterung das sich mit vorgerecktem Brustkorb drohend vor dem Gegner Aufbauen ebenso als Beispiel herangezogen werden kann wie hartes Schubsen mit der flachen Hand unmittelbar vor dem eigentlichen Angriff. Eine weitere, sehr spezielle Kategorie der Einschüchterung hängt mit dem "Ruf" eines Aggressors zusammen. Ist dem Angegriffenen beispielsweise bekannt, dass es sich beim Angreifer um das Mitglied eines aus bestimmten Kulturkreisen stammenden kriminellen Familienclans handelt, so ist die Bereitschaft zu energischer Gegenwehr möglicherweise bereits stark eingeschränkt, da man befürchtet, das Ziel weiterer Vergeltungsmaßnahmen zu werden.

Gemeinsam haben all diese Einschüchterungsformen, dass beim Angegriffenen ein Denkprozess in Gang gesetzt wird, welcher sich mit den unmittelbaren Folgen einer solchen körperlichen Auseinandersetzung befasst. Die beim späteren Opfer unmittelbar vor dem eigentlichen Angriff einsetzende Angst vor Schmerzen, schweren Verletzungen, möglicherweise sogar tödlichen Folgen oder Vergeltungsmaßnahmen führt nun aber gerade dazu, dass der Angegriffene panisch reagiert und dem Täter keinerlei Widerstand entgegen bringt. Der Aggressor hat somit sein Ziel erreicht und aus einem anfangs möglicherweise "harten Ziel" ein "leichtes Opfer" gemacht. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass nicht nur ältere und körperlich schwache Menschen Opfer dieser "Psychoangriffe" werden, auch erfahrenen Kampfsportlern kann angesichts der harten Realität einer Straßenschlägerei schon einmal das Herz in die Hose rutschen. Die einzige Möglichkeit, dieser mentalen Falle zu entkommen besteht für den Angegriffenen darin, sich nicht auf das "Spielfeld" des Angreifers zu begeben und dessen Einschüchterungsversuche zu ignorieren oder anders zu reagieren, als dies vom Angreifer erwartet wird. Um den Sachverhalt zu verdeutlichen, muss man sich nur einmal den übliche Ablauf eines solchen "Interviews", welches der Schläger/Aggressor mit seinem potentiellen Opfer führt, vor Augen führen.

Da kommt dieser grimmig blickende Typ auf einen zu und schreit: "Was glotzt Du Arsch denn die ganze Zeit meine Freundin so blöd an?!". Wäre "Ich kenne Deine Freundin doch gar nicht!" in diesem Fall eine clevere  Antwort? Oder was tue ich, wenn mich nachts auf der Straße ein Fremder fragt: "Kann ich mal Dein Handy haben? Muss kurz mal jemanden anrufen." Wäre "Tut mir leid, aber ich habe mein Handy im Auto!"  eine geeignete Antwort im Sinne von funktionalem Selbstschutz auf der Straße? Die Antwort lautet hier relativ eindeutig: Nein! In den beschriebenen Fällen bin ich jeweils auf den "Gesprächswunsch" eines Aggressors bzw. eines mir völlig fremden Menschen eingegangen und habe somit genauso reagiert, wie dieser es von mir erwartet hat. Ich spiele das "Spiel" des Angreifers mit und lasse zu, dass dieser mir ein Gespräch aufzwingt, welches nach seinen Regeln geführt wird. Das Hauptziel besteht hierbei darin, ein potentielles Opfer lange genug abzulenken, um im entscheidenden Moment einen Überraschungsangriff starten zu können. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass bei Gewalttaten von den Betroffenen häufig der Satz zu hören ist: "Ich hab den Schlag überhaupt nicht kommen sehen."

Um der Opferrolle zu entgehen ist es deshalb von entscheidender Bedeutung, das geplante Ablenkungsmanöver des Angreifers frühzeitig zu durchschauen und dessen Pläne zu durchkreuzen, indem man "Fangfragen" schlichtweg ignoriert oder in einer Art und Weise reagiert, mit welcher ein potentieller Gewalttäter nicht  rechnet. Eine derartige Vorgehensweise ist für viele Leute nicht immer leicht umzusetzen, da man in unserem Kulturkreis bereits von Kindesbeinen an beigebracht bekommt, stets höflich und korrekt auf alle Fragen zu antworten. Angesichts eines Aggressors, der uns Schaden zufügen will, ist eine solche Form der Höflichkeit allerdings in keinster Weise angebracht und im Bereich der Selbstverteidigung bzw. des Selbstschutzes eher hinderlich. Man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen, dass man Kriminellen und Straßenschlägern nichts, aber auch wirklich rein gar nichts schuldet, weder eine höfliche Antwort noch irgendwelche Rechtfertigungsgründe. Angesichts einer drohenden Gewalttat müssen sämtliche Maßnahmen ergriffen werden, welche einem die besten Chancen eröffnen, diesen körperlichen Angriff unbeschadet zu überstehen, um am Ende des Tages gesund zu seiner Familie zurückkehren zu können.

Anhand der in den vorherigen Abschnitten dargelegten Punkte ist abschließend nochmals deutlich darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, in Selbstverteidigungskursen und Selbstschutzseminaren neben Schlagtechniken ("Hard Skills") auch die Aspekte der sogenannten Vorkampf-Phase ausführlich zu besprechen und den Teilnehmern mittels diverser Rollenspiele die Dynamik und die psychologischen Faktoren eines solchen Angriffs zu verdeutlichen. Oder um es mit den Worten des Selbstschutz-Experten und Kampfkünstlers Paul Vunak zu sagen: "In a crisis you will not rise to your expectations, but fall to your level of training!"

Zuletzt geändert am: 30.11.2018 um 4:15 PM

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